Elke Kunze Nachruf

Elke Kunze, mein Nachruf

Elke Kunze

Elke Kunze ist am 22. April 2017 in Sindelfingen gestorben. Sie musste sich dem Krebs, an dem sie 2014 erkrankte, geschlagen geben. Sie hat lange tapfer gekämpft und schwer erträgliche Therapien über sich ergehen lassen. Ihr Tod reißt ein tiefes Loch in die Herzen vieler Menschen.

Ich habe Elke vom 1. Tag des Kennenlernens auf einer Party in Nürnberg im Jahr 2004 immer sehr geschätzt und bewundert. Deshalb möchte ich mit diesem Nachruf auf sie für die Leser und Leserinnen, die sie nicht gekannt haben und auch für diejenigen, die ihr begegnet sind, eine paar Gedanken über Elke zusammenfassen. Diejenigen, die sie gut kannten, wissen all dies genau und noch viel besser. Elke Kunze ist für mich die ungekrönte „Queen of Line Dance“.

Forty Fours – die Anfänge

Elke und ihr Mann Lutz wurden 1944 geboren. 1994 wollte der Jahrgang 1944 in Sindelfingen gemeinsam ihren 50ten Geburtstag feiern. Dies ist eine Tradition, die an Pfingsten auch mit einem Kirchgang gefeiert wird. Zu diesem Anlass hat Elke für eine größere Anzahl von Paaren einen kleinen Gruppentanz kreiert und sorgfältig einstudiert. Für den Auftritt nannte sich die Gruppe TC 44. Der Tanz hat einigen Beteiligten so viel Spaß gemacht, dass die Idee entstand, diese Art Tanz weiter regelmäßig zu betreiben. Elke war gleich zur Leiterin der neuen Freizeitgruppe bestimmt. Auf der Suche nach Ideen für Ihren Unterricht stellte Elke dann überrascht fest, dass sie Linedance nicht neu erfinden musste. Die Gruppe blieb über etliche Jahre klein und bestand zu 100 Prozent aus Paaren. Elke befasste sich intensiv mit dem Thema und formte die Gruppe nach ihren Vorstellungen. Klar, dass die ersten Jahre durch Countrymusik bestimmt wurden und sich die Gruppe entsprechend kleidete. Es wurden Auftritte gemacht und der Bekanntheitsgrad der Gruppe wurde größer. Forty Fours als Name der Gruppe entstand, als Elke von einem Pressevertreter gefragt wurde, wie denn die Tanzgruppe heiße. Elke kreierte spontan den Namen, den die Gruppe offiziell seit 1995 trägt.

Elkes Tanzauswahl

Das war der Anfang einer der größten und in meinen Augen einer der bedeutendsten Linedance-Gruppen in Deutschland. Elke hat diese Gruppe von einem kleinen Haufen zu einer Vereinsgröße von heute 140 Personen aufgebaut. Schon Anfang der 2000er Jahre änderte sich das Repertoire der Tänze. Elke hatte sich zu einer glühenden Anhängerin des Modern Line Dane gewandelt, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Sie hat lange vor all denjenigen, die heute über Facebook die Tänze direkt aufs Handy gespielt bekommen, Kontakte nach England, in die Niederlande und in die USA geknüpft, um immer zu wissen, welche neuen Tänze gerade geschrieben wurden. Sie wählte die Tänze für ihre Mittwochsgruppe sehr überlegt aus. Manche von uns werden sich an die Kommentare erinnern, die sie auf der HP der Forty Fours zu jedem neuen Tanz veröffentlichte. Hier ein Beispiel von 2010:

Elke war mit ihrer Tanzauswahl tonangebend im süddeutschen Raum. Vielleicht haben auch Linedancer im restlichen Deutschland auf das geschaut, was in Sindelfingen jede Woche unterrichtet wurde. Public Relations war jedoch nicht Elkes Ding. Eine begründete Auswahl der Tänze für ihre Gruppe war ihr SEHR wichtig. Einfluss zu nehmen auf andere Gruppen nicht so sehr. Ihr Motto war: mit gutem Beispiel vorangehen.

Elkes Anfängerunterricht

Am Eintrag über „Dirty Cha“ kann man einen anderen Punkt festmachen, der Elke sehr wichtig war, nämlich guten Anfängerunterricht zu erteilen. Sie hatte ein ausgefeiltes Konzept für ihren Anfängerunterricht, das sie immer weiter verbessert hat. Sie wollte nicht nur Schritte vermitteln, sondern auch die richtige Technik. Die Motion eines Tanzes umzusetzen, war auch ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts. Hat sie keinen Tanz gefunden, den sie für die anstehende Phase brauchte, hat sie auch schon mal selbst einen Tanz geschrieben. Als es ihr nicht mehr so gut ging, hat sie trotzdem neue Anfänger unterrichtet. Ganz ohne Werbung versammelten sich 60 Leute, um von ihr Linedance zu lernen. Ich habe ihr oft gesagt, dass sie doch ihre großen Erfahrungen mit Linedance-Unterricht weitervermitteln sollte. Ich bin sehr sicher, dass man von ihr sehr viel für den eigenen Unterricht hätte lernen können.

Tänzerin mit Stil und Mut zur eigenen Choreographie

Ich glaube, dass ich mit meinem ersten und bleibenden Eindruck von Elke nicht falsch liege. Elke beeindruckte immer durch ihre Tanzhaltung, ihren Tanzstil und Ausdruck, den sie ihrem eigenen Tanzen verlieh. Als ich sie und Lutz 2004 kennenlernte, stand Paartanz noch im Fokus. 2005 veröffentlichte sie ihre erste Tanzchoreographie „Taking My Time“. Ich denke, das Video spricht für sich und steht natürlich auch für die Zeit, in der es entstand. Auf jeder Party in Sindelfingen und anderswo waren die Forty Fours und besonders Elke immer eine Augenweide. Elke hat vor Linedance mit ihrem Mann Lutz eine Tanzschule besucht und das klassische Tanzen sehr geliebt. Nach „Taking My Time“ schrieb sie über mehrere Jahre einige Tänze zu populärer Musik. Dass sich diese Tänze nicht weiter über Sindelfingen hinaus verbreitet haben, liegt sicher an der großen Menge an Tänzen, die täglich veröffentlicht werden und daran, dass Elke Eigenwerbung nicht wichtig war.

Linedance macht Spaß

Elke konnte streng und genau sein, aber noch viel eher lustig und offen für Späße. Sie hat gerne gelacht. Wir haben die besten Partys in Sindelfingen erlebt. Ein Showprogramm mit schönen und lustigen Auftritten war immer dabei, bis auf die letzten fünf Jahre akribisch von Elke ausgedacht und vorbereitet. Ihren Auftritt mit Renate als Putzfrauen verkleidet, die im ungeschönten schwäbischen Dialekt über die Linedancer schwadronieren, werde ich nie vergessen. Wir haben Tränen gelacht. Elke hat es den Mitgliedern ihrer Gruppe immer vorgelebt, dass Linedance viel mit Tanzen zu tun hat aber auch sehr sehr viel mit einer guten Gemeinschaft, in der man die Sorgen des Alltags hinter sich lassen kann.

Elke war für meine eigene Entwicklung als Linedancerin sehr wichtig. Sie hat mir die Richtung gezeigt und war immer eine sehr wertvolle Ratgeberin. Ich bin überzeugt, dass das auch andere von sich mit Freude und Dankbarkeit im Herzen über sie sagen können.

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2 Kommentare

  1. Hallo Karin,
    herzlichen Dank für diesen wunderbaren Nachruf, den ich schon lange vermisse.
    Ich habe Elke nicht lange und auch nicht gut gekannt, aber für mich ist eine der ganz Großen im Linedance für immer von uns gegangen und hat eine große Lücke hinterlassen. Ich habe ihre Art zu tanzen, ihre Ausstrahlung immer sehr bewundert.
    Möge sie in Frieden ruhen und für uns den Boden bereiten.
    „Lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen“
    Ich bin überzeugt…die Engel werden sich wundern!

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